„Wat mööt wi hier smachten“ - oder: Ein Besuch in der Alten Pathologie in Wehnen

 

Am 01.10.2016 hat sich eine Gruppe von 7 Menschen - aus dem Ammerland, Oldenburg und aus der Wesermarsch - auf den Weg zur Gedenkstätte Alte Pathologie in Wehnen, in der Gemeinde Bad Zwischenahn gemacht. Nach der kurzen Anreise wurden wir von einem freiwilligen Mitarbeiter des Gedenkkreises Wehnen e.V. in Empfang genommen, der uns durch den Tag begleitet hat.

 

Wir starteten mit dem Thema der Zwangssterilisation und erfuhren etwas zu den Abläufen, wie es überhaupt zu einer Zwangssterilisation kam, wie viele Menschen betroffen waren und wie ein Aufenthalt in der „Heil- und Pflegeanstalt Wehnen“ aussah. Hierzu beschäftigten wir uns vor allem mit zwei Beschlüssen zu dieser Thematik, die 1937 vom „Erbgesundheitsgericht Oldenburg“ gefasst wurden. Anschließend schauten wir uns auf dem Ofener Friedhof die Grabsteine einiger osteuropäischer Zwangsarbeiter*innen an, die damals in die „Heil- und Pflegeanstalt Wehnen“ eingeliefert wurden und danach schauten wir uns noch die Gedenksteine der deutschen Patient*innen an, die ebenfalls in der Anstalt verhungert - wurden. Nach einer Mittagspause arbeiteten wir noch einmal zu einigen Einzelschicksalen. Hierzu hat der Gedenkkreis in vielen Interviews mit Angehörigen und unter Zuhilfenahme der Krankenakten kleine Mappen mit den Biographien der Patient*inen erstellt, die teilweise im selben Dorf wohnten, wie wir nun. Darin erfuhren wir etwas über die Ursachen der Einlieferung, die Angaben in der Krankenakte, die Todesursache und wie es nach dem Krieg mit der Familie weiterging.

Anschließend lernten wir noch etwas über über die „T4-Aktion“, ein Projekt, das es im Dritten Reich ermöglichte, chronisch kranke oder behinderte Menschen zu töten. Zum Abschluss des Tages waren wir noch in der kleinen Gedenkstätte auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik und erfuhren etwas zu den Täter*innen, ihren Motiven und den weiteren Lebenswegen nach dem Krieg.

 

Wir blicken zurück auf einen spannenden und sehr informativen Tag und wieder einmal mehr ist uns bewusst geworden, dass die Gräueltaten der NS-Zeit nicht nur weit weg waren, sondern auch direkt vor unserer Haustür stattgefunden haben.

 

Am 09.November 2016 wird es wieder eine Gedenkveranstaltung im Gemeindehaus in Friedrichsfehn geben, in denen Texte vorgetragen werden, die von unseren Erfahrungen und Gedanken an diesem Tag handeln.

Imke Winkelmann 

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